ZENPAINTINGSBLOG

House in a yellow-green landscape inspired by David Hockney
HAUS IN GELB-GRÜNER LANDSCHAFT INSPIRIERT VON DAVID HOCKNEY

Was mich an David Hockney besonders fasziniert, ist seine Vielseitigkeit. Ob filigrane Zeichnung, Lithografie, knallige Acrylmalerei, Fotografie oder Collage – in jedem Genre hat Hockney unglaubliche Stilsicherheit und künstlerische Ausdruckskraft bewiesen.

An Hockneys Yorkshire-Landschaftsmalerei bin ich durch einen traurigen Zufall geraten. Mir fiel vor drei Jahren die schwierige Aufgabe zu, die Wohnung meiner verstorbenen Tante in Heidelberg aufzulösen. Ihre Wohnungseinrichtung atmete den Geist von hochwertigem Design der Siebziger Jahre. Über der ockerfarben De Sede Sitzlandschaft aus Leder prangte ein weiß gerahmtes Gemälde, das eine sanft-hüglige Landschaft zeigte. Durch die flächig-knallbunten Felder und Äcker dieser Landschaft schlängelte sich eine schmale Straße bis zum Horizont.

Das Bild strahlte für mich eine nostalgische Leichtigkeit aus. Der Frieden der Landschaft lud mich ein aufzubrechen zu einer beschwingten Wanderung Richtung Horizont. Keine Signatur, keinerlei Hinweis auf den Künstler. Später, auf der Zugfahrt zurück nach Berlin, blätterte ich beiläufig im zerlesenen Deutsche Bahn Magazin. Ein Bericht über die große David Hockney Retrospektive in der Londoner Tate Gallery. Und plötzlich: Eine Fotografie, genau von dem Bild, das im Appartement meiner Tante über dem Sofa hing! Ein wertvolles Kunstwerk, unbewacht, unverglast, beleuchtet von Punktstrahlern, die an gespannten Drähten von der Handschuhsheimer Zimmerdecke hingen. Gleichzeitig war das Gemälde aber in der Tate Gallery. Welches von beiden war nun eine geniale Fälschung? Mir ist bis heute der Gedanke lieber, es handelt sich bei meinem geerbten Gemälde um eine frühe Fassung des Meisterwerks. Die Seelenverwandtschaft mit meiner Tante war auf jeden Fall bewiesen: Sie hatte mir ein Bild meines Idols David Hockney vererbt.

David Hockney: The Road Across The Wolds

Seitdem sind drei Jahre vergangen, ich studiere koreanische Tuschmalerei bei Zenmeister Sunim Byong-Oh und beschäftige mich schon seit längerer Zeit mit der asiatischen Landschaftsmalerei. Der grundlegende Unterschied zwischen westlicher und östlicher Landschaftsmalerei lässt sich mit den Begriffen filled focus und scattered focus gut beschreiben. Während in der westlichen Landschaftsmalerei Tiefe durch zulaufende Perspektive erzeugt wird und die Aufmerksamkeit des Betrachters auf einen bestimmten Ausschnitt gelenkt wird, erfassen fernöstliche Künstler* die Landschaft aus mehreren Blickwinkeln gleichzeitig und lassen das Auge über das Bild schweifen. Diese Art und Weise eine Landschaft zu betrachten, findet sich für mich auch in Hockneys Gemälde The Road Across The Wolds wieder. Hier spielt die Landschaft in ihrer Vielfältigkeit die zentrale Rolle. Mein Blick schweift von Häusern, zu Feldern, zu Scheunen, zum Traktor, zu Bäumen bis zum Horizont, einem schmalen Streifen am oberen Bildrand. Im Abendlicht des Hochsommers glüht die Landschaft in erdigem Mahagoni, Gold und warmen Grüntönen. Wie in der östlichen Landschaftsmalerei bestimmen drei Elemente das Bild: Erde, Himmel und Mensch. Die Natur ist übermächtig. Ich sehe keine Menschen, nur von Menschen Gemachtes. Die Häuser, die Straße, den Traktor, die kultivierten Felder. Alle Bewegung erscheint eingefroren wie ein Standbild und eine angenehme Melancholie umfängt mich, denn in dem goldenen Abend liegt ein Abschied: Die Kühle, der Herbst und der Winter sind nicht mehr weit.

Mich haben Hockneys Yorkshire-Landschaften dazu inspiriert, eine Landschaft zu versuchen, die ebenso strahlt, doch im Licht der Frühlingssonne: Saftiges helles Grün und das leuchtende Gelb der Rapsblüte. Das terracottafarbene Haus aus Hockneys Bild setzte sich in die Landschaft hinein, von Bäumen umfangen steht es scheinbar herrenlos in den Hügeln von Grün und Gelb. Eine Traumlandschaft, denn die Hügel von Yorkshire habe ich bisher noch nicht mit eigenen Augen gesehen. Sie sind ein Ort der Fantasie, an dem ich mich zu Hause fühle. Wo sind eure Traumlandschaften?

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